Die Burgkappelle und ihre Ausstattung

Die spätromanische Burgkapelle mit Rechteckchor wurde um 1260/1270 an den Südpalas der Burg angebaut. Ein Obergeschoss bot wohl die Möglichkeit, dass die Burgherrschaft von erhöhtem Standort der Messe folgen konnte. Die Burgmannschaft versammelte sich dagegen im Erdgeschoss. Das östliche Kapellenviertel, der Chorraum, war erhöht und mit einer Schranke vom Laienraum abgetrennt. Hier befand sich der Altar. Die Kapelle war dem Ritterheiligen Georg geweiht und ursprünglich farbig ausgemalt, wie Putzreste verraten.

Die Ausstattung der Kapelle erfolgte besonders aufwändig mit sog.
«St. Urban-Backsteinen». Zahlreiche, reich dekorierte und grossformatige Gewändesteine, Schicht- und Keilsteine bildeten das Kapellenportal. Fensterpfosten, Fensterstürze und eine Fensterbank gehörten zu mindestens einem Fenster. Schwellensteine bildeten den Übergang zwischen dem Saal und dem auf höherem Niveau liegenden Chorraum.
Der Boden von Chor und Saal war mit gestempelten und teilweise glasierten Bodenplatten belegt. Aufwändigere Bauformen fehlen. Gewölbeelemente wie Rippen oder Schlusssteine kommen nicht vor. Auch Gliederungselemente wie Basen, Pfeilerschäfte, Kapitelle, Kämpfer und Gesimsstücke fehlen. Die Burgkapelle war daher wohl nicht gewölbt. Der Kapellenboden von Grünenberg ist der einzige am Ort erhaltene mittelalterliche Boden dieser Art in der Schweiz.

Die Backsteine wurden im Zisterzienserkloster St. Urban hergestellt, das etwa 7 km nördlich der Burg im heutigen Kanton Luzern liegt. Es wurde 1194 vom Freiherrengeschlecht der Langensteiner und ihren Verwandten gegründet. Wenig später starb die Familie aus. Ihre Haupterben, die Grünenberger, prägten im Spätmittelalter die Geschichte der ganzen Gegend und so verwundert es nicht, dass das Kloster auch zur Ausstattung der Burgkapelle beitrug.


Juni 2007 © ADB Dr. Daniel Gutscher



 

 

 

 

 

 

 

 




Schutzbau mit Innenbeleuchtung



Kapelle ohne Dach



Kapellenboden